In vielen weiteren Artikeln haben wir euch schon diverse Sprichworte und Redensarten entschlüsselt. Hier geht es um Sprüche rund um die Familie! Sehet selbst, was das Mittelalter uns für Weisheiten über Haus und Hof gebracht hat:

Wer plant, eine Familie zu gründen, muss es wohl durch die Blume sagen!

Im Mittelalter musste es noch klassisch ablaufen: Ein junger Mann hielt um die Hand einer jungen Frau an. Oft kannte diese den sogenannter „Freier“ gar nicht! Manchmal wurde dann ungefragt drauf los verheiratet, dies musste aber nicht unbedingt passieren. Eine Frau konnte den Mann auch ablehnen, aber die Frage war, ob sie ihm das unverblümt ins Gesicht sagen mochte. Traute sie sich dies nicht, konnte sie dem Werber Blumen überreichen und ihr Urteil damit indirekt mitteilen. Kornblumen zum Beispiel musste der Mann als „Nein, danke“ verstehen. Rosafarbene oder rote Blüten, wie z.B. die der Dahlie, Tulpen oder natürlich Rosen, wären eine positive Botschaft gewesen. Die Frau konnte den Mann aber auch bei nicht vorhandenem Interesse abspeisen. Ebenfalls eine höflichere Variante, als es dem armen Mann direkt ins Gesicht zu sagen. Dann wurde ihm z.B. Käse serviert. War also alles Käse für den Freier!

Unter die Haube kommen – über Kopfbedeckungen für Mann und Frau

Auch hierzulande gab es Zeiten, in denen das weibliche Haupthaar schicklich versteckt gehörte. Eine verheiratete Frau hatte eine Haube zu tragen, auch die Männer bedeckten außer Haus ihren Kopf. Dann waren es Mützen für Niederrangige und Hüte als Statussymbol für die Bürgerlichen. Bei Frauen stand das offen getragene Haar für Jungfräulichkeit. Am Tag der Hochzeit wurde dann zum ersten Mal die Haube aufgesetzt. Unter die Haube zu kommen steht also heute wie damals für das Heiraten. Der Mann hingegen bringt die Dinge unter einen Hut, dies symbolisiert die damals machtvollere Position der Männer. Der Hut als Herrschaftssymbol zeigte sich auch dann, wenn vor anderen respektvoll der Hut gezogen, oder auch z.B. in der Kirche ganz abgenommen wurde.

Familie - Redensarten

Unter einer Decke stecken oder erst um die Hand anhalten… geht da was?

Eine Verheiratung der Kinder wurde im Mittelalter meist von den Eltern geplant. Trotzdem musste der Freier beim Vater der Begehrten um die Hand anhalten. Dann übergab der Vater symbolisch die Macht über die Tochter dem Ehemann, indem er die Hand des Mädchens in die Hand des Mannes legte. Dieser musste dann noch zur vollständigen „Inbesitznahme“ auf deren Fuß treten. Da würde ich mich ja schon etwas auf den Fuß getreten fühlen… Wenig romantisch war das Thema Heirat oft. Denn bei Zwangsheirat wollte man dann auch sichergehen, dass dem elterlichen Befehl auch Folge geleistet wurde. Die Ehe galt erst als rechtmäßig, wenn die beiden Vermählten vor aller Augen zusammen zu Bett gegangen waren und unter einer Decke steckten… Familiengründung kann also los gehen.

Die Familie ist nun vollständig, aber schief gewickelt.

Geht man heute von falschen Voraussetzungen oder Informationen aus, ist man schief gewickelt. Das kommt aus der wortwörtlichen Kinderstube des Mittelalters. Wir sagen heute noch Wickeln dazu, wenn einem Kind die Windeln gewechselt werden. Damals hat man jedoch das gesamte Kind bis auf den Kopf eingewickelt. Heutzutage kennt man das Pucken wieder und wickelt die Kinder nach Anleitung einer kundigen Hebamme in spezielle Pucksäcke ein. Dies darf jedoch nur sachkundig gemacht werden und auch nicht mit zu großen Kindern. Im Mittelalter wurden die Kinder damit außerdem teilweise über Stunden ruhig gestellt, was unseren heutigen Vorstellungen selbstverständlich widerspricht. Damalige Ammen wussten aber, wie das Wickeln richtig gemacht wurde. Denn wurde das Kind schief gewickelt, konnten ernstzunehmende Gesundheits- und Haltungsschäden entstehen.

Familie - Weisheiten

Unterwegs mit Kind und Kegel – mit der gesamten Familie!

Die Alliterationen sind ja immer schön, aber was bedeutet eigentlich mit Kind und Kegel? Es hat schon mal nichts mit dem Sport des Kegelns zu tun, es soll auch niemand umgehauen werden. Im frühen Mittelalter gab es den Begriff der Kebsehe. Dies bedeutete die Ehe zwischen einem Freien und einem Leibeigenen, vergleichbar mit Herr und Sklave. Aus dieser Ehe ging das Kind hervor, das als Kekel bezeichnet wurde. Daraus entstand später der Begriff Kegel, der neben der Bedeutung „Pflock“ oder „Knüppel“ eben auch für ein Kind aus der Kebsehe oder ein uneheliches Kind stand. Durch eine damalige hohe Sterblichkeitsrate war es nicht unüblich, Kind und Kegel der verstorbenen Frau oder des verstorbenen Mannes bei sich aufzunehmen. Das uneheliche Kind hatte damals aber weniger Rechte als das eheliche, so bekannt aus diversen Märchen und TV-Serien. Patchwork gab es also schon immer, es etabliert sich aber erst heute so richtig!

Hat mal wieder Spaß gemacht!

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Denn wir sind mit Haut und Haar dabei und zeigen Flagge, wenn wir euch einen Storch braten. Die Eselsbrücke macht den Bock zum Gärtner und wirft die Schlitzohren voll aus der Bahn. Auf dem Holzweg finden wir Luftschlösser und legen was auf die hohe Kante. Wo wächst eigentlich der Pfeffer? Viel Spaß beim Lesen!


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