Über viel mittelalterliches in Redensarten haben wir euch schon berichtet. Aber welche Weisheiten haben uns die Seefahrer und Piraten beschert? Sehet selbst:

Kielholen! ⚓️

Wir fanden heraus, es wird heute genutzt unter: „ein Schiff oder eine Yacht zu Reparaturzwecken oder zur Reinigung auf die Seite legen„. So weit so gut. Das ist aber nicht die hauptsächliche und ursprüngliche Benutzung dieser Redewendung… Mal wieder wird gefoltert und bestraft! Nämlich die Seemänner, die ihrer Pflicht nicht nachkamen. Diese wurden dann zur Strafe an einem Seil festgebunden und ins Wasser geworfen. Und dann vom Bug zum Heck, oder eben quer von Backbord zu Steuerbord, unter dem Schiff durchs Wasser gezogen. Passierte dies zu schnell, und der Matrose konnte nicht selbst mit tauchen oder schwimmen, knallte er immer wieder gegen den Bug und daran klebende Ablagerungen. Die ziemlich scharfkantigen Muscheln und Seepocken verursachten dann oft so schwere Verletzungen, dass das Kielholen dann tödlich war. „So jemand auf seiner Wache schlafend befunden würde, der soll 3 mal gekiehlt werden.“ (So stehend im Kriegsrecht von 1723, Corpus juris militaris)

Weisheiten zu Standpunkten – Flagge zeigen 🏴‍☠️

Flagge zu zeigen ist sinnverwandt mit dem Farbe bekennen. Letzteres kommt vom Kartenspiel in dem oft eine ganz bestimmte Farbe gespielt werden muss. Wir kennen auch das „etwas im Schilde führen“ aus dem Ritterkampf Tjost. Hier in der Nautik mussten Schiffe, ähnlich wie die Ritter im Kampf, erkennbar anzeigen, zu welcher Nation sie gehörten. Es gab noch keinen Funk und so konnte man nur durchs Fernrohr von Weitem grob einschätzen, ob Freund oder Feind auf einen zu kam. So zeigt man also unter dieser Redewendung Präsenz und demonstriert seine Absichten. Unter falscher Flagge zu segeln war eben genau das Gegenteil: auf unehrliche Weise die wahren Motivationen zu verbergen. Wie zum Beispiel Piraten, die sich mit gestohlener Flagge oder Schiff als harmlos ausgaben, um nah genug an ihre Opfer zu kommen, und ein begehrtes Schiff zu kapern.

Weisheiten der Nautik

Piraterie und Seefahrt als romantische Ideale ☠️🌊

Durch Fluch der Karibik und diverse Filme über die Seefahrt, werden der Beruf und der Stand der Seeleute stark romantisiert. In Wahrheit war es beengt auf den damals kleinen Schiffen mit verhältnismäßig großer Mannschaft. Keine Toiletten, keine Duschen, es gab kein Internet oder Handys. Einen Kühlschrank zum Kühlen von wichtigen Lebensmitteln gab es nicht. Kein Motor zum Antreiben des Bootes, wenn es eine Flaute gab. Bei Wind und Wetter fühlten sich die Seeleute den göttlichen Launen ausgesetzt. Hygiene war damals wirklich nicht bekannt, so gab es im Zwischendeck jede Menge Fäkalien. Ratten und Mäuse fraßen die wertvollen Nahrungsmittel weg. Matrosen niedrigeren Rangs teilten sich über Monate und zu hunderten einen Raum. Die Skorbut wurde oft ein Thema, hierbei bekamen die Leute Fieber, Schmerzen, Durchfall und verloren ihre Zähne durch den Vitaminmangel. Schwerer Skorbut konnte auch Depressionen hervorrufen.

Weisheiten und Aberglaube auf See 🧜‍♀️

So wie auf dem Lande auch, hat man in frühen Zeiten viel an übermenschliche Mächte geglaubt. Schwarze Katzen, Hexen, göttliche Urteile – purer Aberglaube! Gerade an Bord von Segelschiffen wurde dieser Wahn noch verstärkt. Durch schlechte hygienische und gesundheitliche Bedingungen, durch Beengtheit und dem Ausgeliefert-Sein auf hoher See wurde der Aberglaube noch begünstigt. Weisheiten über Klabautermänner und Unglück durch Frauen auf Schiffen sollten die Männer an Bord schützen. Eine oder wenige Frauen auf dem Schiff würden unter den vielen „unausgelasteten“ Männern mit extremer Langweile, sicher tatsächlich jede Menge Ärger bringen. Für sich selbst vor allem…

Zündest du dir deine Zigarette an einer Kerze an, stirbt ein Seemann!! 🕯️⚰️

Und wenn du sagst, dass du nicht an Elfen glaubst, kippt irgendwo eine tot um! Schnell in die Hände klatschen!! Also zurück zum toten Seemann. Manche Weisheiten sind erst aus dem Zusammenhang gerissen, zum Aberglauben geworden. Denn im Winter konnte man schlecht große Fahrten auf See machen, da die Stürme zu heftig waren und weite Wege damit zu gefährlich wurden. Urlaubsbezahlung gab es nicht und auf Kurzarbeit wurde auch Keiner gesetzt. Fuhr das Schiff nicht, bekam der Seeman keine Heuer, also keinen Lohn (vom mittelhochdeutschen hūre/hūren: mieten).

Viele Seeleute verkauften Streichhölzer, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen und über Wasser zu halten. Sparten sich die Leute also durch die Kerze zum Anzünden der Zigarette das Kaufen vom Streichhölzern, konnte ein armer Seemann durchaus in finanzielle Bedrängnis geraten. Stand ihm das Wasser bis zum Hals, war er irgendwann sicher kurz vorm Rand zum Tod, sollte er keine Streichhölzer verkaufen können!

Weisheiten über Nixen und Klabautermänner 🧜🏼‍♂️

Nixen oder Meerjungfrauen sind heute Sinnbild für Schönheit, Anmut und Romantik. Zu Zeiten der alten Seefahrer waren die Damen mit Fischschwanz eher gefürchtete Wesen. Wenn Seefahrer diese glaubten zu sehen oder zu hören, nahmen sie an, nun verrückt werden zu müssen. Die Angst bestand, die Nixe würde einen menschlichen Ehemann suchen, um sie von einem Fluch zu erlösen. Dazu würde sie den Seemann mit ihrem Sirenen-Gesang anlocken und unter Wasser ziehen. Diese bösartigen Wesen wurden im Wahn von Skorbut, sengender Hitze, Fieber oder schlicht Langeweile von vielen Seeleuten im Wasser entdeckt, oder bei großer Stille der Nacht in der Kajüte gehört. Heute geht man davon aus, dass Robben und Seekühe mit Nixen verwechselt wurden. Der sirenenhafte Gesang dürfte von Walen gekommen sein, der bei Flaute durchaus unter Deck durch das Holz zu hören war.

Weisheiten über Nixen

Der Klabautermann hingegen war geschätzt und gefürchtet zugleich. Angeblich ging er des Nachts, und immer ungesehen, das Schiff ab und klopfte es auf marode und undichte Stellen ab. Hörten die Matrosen es poltern oder klopfen, war es der Klabautermann, der Ladung sicherte oder auf undichte Stellen im Holz hinwies. Sah ein Seemann den rothaarigen Zwerg mit grünen Zähnen und Pfeife jedoch, bedeutete dies nichts Gutes. Die Weisheit besagt, dass der Klabautermann nur sichtbar war, wenn er von Bord ging. Und das, weil er entweder verärgert wurde, oder großes Unheil kommen sah. Dann war der Untergang des Schiffes sozusagen gewiss.

Kennt ihr noch mehr Redensarten, Weisheiten und Sprichworte aus der Seefahrt? Wir freuen uns über Kommentare! Bis dahin: Allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

Wir legen unsere Hand ins Feuer – es ist alles in Butter, wenn wir vom Leder ziehen! Wir gehen über den Holzweg dahin wo der Pfeffer wächst, und zwar auf unserem hohen Ross. Kann zwar kein Schwein lesen, aber da werden wir schon was aus dem Hut zaubern. Vorher lassen wir noch die Katze aus dem Sack und bringen eure Schäfchen ins Trockene. Wirklich, ihr Schlitzohren, es hat alles Hand und Fuß!


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